Seminar 2019

Ziele des Seminars
Mit dem Projekt haben wir Jugendliche für das Thema Nachhaltigkeit sensibilisiert. Wir haben weltweite ökologische, ökonomische und soziale Probleme bearbeitet und mit den Teilnehmer diskutiert. Wir haben Zusammenhänge zwischen dem eigenen Handeln und den Auswirkungen in allen Bereichen der Nachhaltigkeit hergestellt und die Teilnehmer zum Nachdenken angeregt.
Zum anderen hatten wir das Ziel, aus den Teilnehmern eine Reisegruppe für eine Begegnungsreise nach Tansania auszuwählen. Dies ist uns gelungen – wir konnten acht Jugendliche begeistern.
Die Jugendlichen wurden in diesem Zusammenhang auch auf die Reise und die Gegebenheiten vor Ort vorbereitet.

Zielgruppen
Das Seminar richtete sich an Vereinsmitglieder und potentiell interessierte Jugendliche und Erwachsene. Es nahmen 22 Teilnehmer teil. 14 Teilnehmer traten nach dem Seminar dem Verein bei, die anderen Teilnehmer waren bereits Mitglieder.
Die Schulung, Informationen und bearbeitete Themen richtete sich nicht nur an die neuen, sondern genauso an die alten Mitglieder. Viele Informationen waren neu und die Diskussionen waren sehr bereichernd.

Wirkungen
Bei den Teilnehmern hat sich vor allem die Einstellung zu ihrem eigenen Handeln verändert. Sie konnten Zusammenhänge zwischen unterschiedlichen Nachhaltigkeitsaspekten erkennen, diese bewerten und auf ihr eigenes Handeln projizieren. Probleme der Länder des globalen Südens und des Nordens wurden benannt und Chancen und Grenzen von Lösungsstrategien bearbeitet und diskutiert.

Kennlernaktivitäten, Teambildung
Die Mitglieder der neuen Gruppe sollen sich in verschiedenen Phasen des Zusammenseins miteinander vertraut machen, sollen Hemmungen abbauen und eine gewisse Gruppendynamik soll sich aufbauen. Bevor sich eine Gruppe findet und gut harmoniert, müssen sich die einzelnen Mitglieder erst einmal so gut wie möglich kennen lernen.

Fröbelkran
Die Spieler haben als Gruppe die Aufgabe liegenden Klötze nur mit Hilfe des ‚Krans‘ aufeinander zu stapeln. Die Spieler stehen dabei in einem Kreis und nehmen die Griffe in die Hand. Nun beginnt das „Abholen“ der Klötze mit Hilfe des Krans, an der Einkerbung an der Einkerbung an den Klötzen. Hängt ein Holzklotz am Kran kann er dann durch gemeinsame Bewegung auf einen anderen Klotz gestapelt werden. Dabei darf nicht mit den Händen oder Füßen nachgeholfen werden! Ziel ist es mit den Klötzen einen stehenden Turm aufzustellen.
Die Teilnehmer übernehmen unterschiedliche Rollen und erleben, dass eine gestellte Aufgabe nur im Team zu erfüllen ist.

Obstsalat
Ein Kennenlernspiel über die Eigenschaften der Leute mit dem Ziel Gemeinsamkeiten zu finden, aufzulockern und wach zu werden.
Es wird ein geschlossener Sitzkreis mit einem Stuhl weniger, als Leute da sind gebildet. Ein Teilnehmer steht in der Mitte und sagt: ”Alle, die …“ Dann stehen alle auf, auf die dieses Merkmal zutrifft, und suchen sich einen neuen Platz. Wer vorher in der Mitte war, sollte dabei versuchen, einen der freien Plätze zu bekommen. Wer keinen Platz kriegt, steht als Nächste in der Mitte.

ZipZap
Ein schnelles Reaktionsspiel, bei dem auf verschiedene Zeichen hin die Teilnehmerinnen und Teilnehmer entweder den Namen des Nachbarn nennen oder die Plätze wechseln müssen. Alle bilden einen Stuhlkreis. Ein Teilnehmer nimmt seinen Stuhl aus dem Kreis heraus und begibt sich in die Mitte des Kreises. Er geht auf einen der im Kreis sitzenden Teilnehmer zu, zeigt auf ihn und sagt entweder „Zipp“, „Zapp“ oder „Zipp-Zapp“,  bei „Zipp“ muss der Angesprochene den Namen seines linken Nachbarn , bei „Zapp“ den Namen seines rechten Nachbarn nennen. Bei „Zipp-Zapp“ müssen alle die Plätze wechseln. Nennt jemand bei „Zipp“ oder „Zapp“ den falschen Namen, muss sie oder er den eigenen Stuhl an die Person in der Mitte abtreten. Auch bei „Zipp-Zapp“ kann sich diese einen Platz sichern.

Weltverteilungsspiel
Das „Weltverteilungsspiel“ ist eine im Globalen Lernen breit eingesetzte Methode und ermöglicht das anschauliche Erleben von Statistik zur globalen Demographie, zur Wohlstandversteilung und zum Ressourcenverbrauch. Dabei bricht es Daten und Zahlen auf Verhältnisse zwischen den Kontinenten herunter und vereinfacht bewusst. Die globalen Ungleichheiten können gut herausgearbeitet werden.Die Teilnehmer wurden mit Einschätzungen über Weltbevölkerung, Welteinkommen, Energieverbrauch und CO2-Ausstoß konfrontiert und sie haben Statistik anschaulich erlebt.
Ungleiche Verteilung der Güter und der Nutzung von Ressourcen dieser Erde wurden deutlich. Die Konsequenzen und Verantwortung wurden reflektiert.

Planspiel „Wongaland“
In einem fiktiven Wüstenland, Wonga, soll, um wirtschaftlichen Aufschwung zu schaffen, eine möglichst das ganze Land bedeckende Photovoltaikanlage gebaut werden. Als jedoch Probleme auftreten ruft Scheich Abdul Al Wonga, das monarchische Staatsoberhaupt, eine Versammlung ein, um möglichst alle Interessensgruppen zufrieden zu stellen und den Bau der Anlage nicht zu gefährden.
Acht Gruppen aus je drei bis vier Personen bilden eine Interessensgruppe, und versuchen ihre Interessen möglichst durchzusetzen. Dabei soll ein Kompromiss gefunden werden, mit dem alle Beteiligten zufrieden sind. Bei diesem Planspiel stehen das Thema und eine Diskussion in verschiedenen Rollen mehr im Vordergrund, als ein Entscheidungsfindungsprozess.
Die Interessensgruppen sind:
· Regierung
· Beduinen
· Greenpeace
· Photovoltaikfirma „DesertSun“
· Ölfirma „OilEnergy“
· Investor „VGEZ“
· UNO
· UNESCO
Vor der Versammlung bekommen alle Gruppen ihre Materialien uns ca. 20 Minuten Zeit, sich in die Rollen einzulesen, Argumente zu sammeln und vielleicht auch schon Bündnisse zu schließen.
Der Scheich beruft die Versammlung ein und leitet sie demnach auch. Jede Gruppe sollte maximal zwei Minuten Zeit bekommen um ihren Standpunkt kurz vorzustellen. In der anschließenden Diskussion geht es darum, eine einstimmige Einigung zu finden, wie es mit der Photovoltaikanlage weitergehen sollt. Dies kann ein Kompromiss sein, oder eine völlig einseitige Entscheidung, die zum Beispiel auch auf Korruption basieren könnte.
Das Ziel ist erreicht, wenn entweder eine Einigung gefunden wurde, oder keine neuen Aspekte auftauchen, und sich keine Lösung abzeichnet. Hier sollte dann unterbrochen werden. Nach dem Planspiel bietet sich eine Diskussion über den Entscheidungsfindungsprozess, den erzielten Kompromiss, und die globalen Zusammenhänge des Themas an.

Vortrag „Energieverbrauch, Energieproduktion, Energieprobleme“
In einem Vortrag wurde die Erzeugung und der Verbrauch von Energie thematisiert. Dabei wurde insbesondere auf die Energiegewinnung und das Energieverbrauchsverhalten der Menschen in Tansania und Deutschland eingegangen. Das Ziel dabei bestand darin, ein Bewusstsein für die Art und Weise zu schaffen, wie Energie in Tansania genutzt wird und worin dabei die Unterschiede zur westlichen Welt liegen. Das Verständnis darüber sollte helfen zu verstehen, warum eine stabile Energieversorgung die Lebensumstände der Menschen verbessern kann. Dazu wurden aktuelle Zahlen und Diagramme präsentiert, die unter anderem den Energiemix, den Energieverbrauch und die CO2-Werte zwischen Deutschland und Tansania deutlich machten. Dabei war auch das Thema der nachhaltigen Energieerzeugung Bestandteil des Vortrages. Im Anschluss an den Vortrag wurde in einer Diskussion auf Fragen der Schülerinnen und Schüler eingegangen. Hierbei war die Beteiligung der tansanischen Referentin Witness Makundi eine große Bereicherung. Durch ihre Berichte konnte unter anderem die Rolle von Regen- bzw. Trockenzeiten sowie die Unterschiede zwischen Stadt- und Land in Hinblick auf Energiegewinnung und Stromversorgung thematisiert werden.

„Erklärvideos zu den Themen Gender, Armut, Bildung, Hunger…“
Am Nachmittag des zweiten Tages sollte zum Thema Gesellschaft und soziale Nachhaltigkeit in Tansania gearbeitet werden. Dazu haben die Teilnehmer Kleingruppen gebildet und wurden einem gesellschaftlich relevanten Thema zugeordnet. Die Gruppen befassten sich u.a. mit dem Schulsystem in Tansania, traditionellen Geschlechterrollen, Gesundheit und soziale Nachhaltigkeit sowie Hunger und Armut. Dazu wurde Informationsmaterial zu Verfügung gestellt und aufbereitet. Die Aufbereitung fand in Form von Erklärvideos statt. Dazu haben die Teilnehmer mittels Smartphone kurze Videosequenzen gedreht in denen anhand der Legetricktechnik die jeweiligen Themen erklärt wurden. Die Lernenden waren dabei sehr motiviert, sie fertigten Zeichnungen an, erstellten Skripte und bearbeiteten die Videoaufnahmen. Auch hierbei konnten durch die tansanische Referentin nützliche Zusatzinformationen .u.a. zum Schulsystem und den Geschlechterrollen in Erfahrung gebracht werden. Im Anschluss an das Erstellen der Videos folgte die Präsentation im Plenum. Die Qualität der Videos war hervorragend. Die Videos wurden von den Gruppen auf unterschiedliche Arten umgesetzt. Die Informationsdichte war dabei beachtlich und die technische Umsetzung ebenfalls sehr gelungen. Im Anschluss daran wurden die unterschiedlichen Aspekte der Videos thematisiert und die Besonderheiten der technischen Umsetzung hervorgehoben.

Travelinfos „Impfungen, Exponate, Kultur, Verhaltensregeln…“
Die Referenten Witness Makundi und Marcus Wack bereiteten die Gruppe durch anschauliche Erfahrungsberichte, Fotos und Exponate auf die Reise nach Tansania vor. Thematisiert wurden vor allem die Verhaltensregeln vor Ort, Informationen zu Land und Leuten und der Umgang mit den Menschen. Außerdem wurden Projektmöglichkeiten und die Gegebenheiten unserer Partnerorte in Tansania besprochen.
Gender/Nachhaltigkeit
Wir achten bei unserer Gruppenzusammensetzung immer auf eine ausgewogene Verteilung zwischen Männer und Frauen. Das Thema „Gender“ ist uns sehr wichtig. Bei unserem Seminarinhalt zum Thema soziale Nachhaltigkeit haben wir die Chancengleichheit von Frauen und Mädchen in Deutschland und Tansania vertieft. Die Teilnehmer haben einen Eindruck bekommen, wie wichtig und wie schwierig die konkrete Umsetzung ist.

Auswertung
Das Projekt wurde mittels einer mündlichen Evaluation ausgewertet. Jeder Teilnehmer hat seine persönlichen Tops  und Flops benannt und begründet. Die Gruppe war mit dem Inhalt und der Auseinandersetzung mit den Themen sehr zufrieden. Lediglich das Zeitmanagement wurde (zurecht) bemängelt.
Nach Auswertung des Projektes sind wir mit den Ergebnissen sehr zufrieden. Unser Verein hat tolle neue Mitglieder gewonnen und auch die Reisegruppe für 2020 hat sich gefunden. Die inhaltliche Auseinandersetzung mit den Themen war hervorragend und die Arbeitsergebnisse sehenswert.
Wir haben dieses Nachhaltigkeitsseminar nun zum dritten Mal durchgeführt und werden es auch in Zukunft wieder anbieten.
Die Selbstversorgung der Gruppe ist toll, jedoch müssen wir dies bei der Zeitplanung mehr beachten. Das Kochen und Aufräumen hat sehr lange gedauert, sodass wir teilweise bis 23.00 Uhr inhaltlich gearbeitet haben.